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Zwei Frauen im System, 1966, kolorierte Radierung, 50 x 34,5 cm
Dreiecksmadonna, 1984, Bleistift/Aquarell/Kreide, 46 x 55 cm

Frauenbilder

Auszug aus dem Tagebuch 1966:

Ein Lehrer der Kieler Muthesius-Werkkunstschule, Gottfried Brockmann, den ich als Maler besonders sch├Ątze (Neue Sachlichkeit), hat mich gestern in seinem Schulatelier zu dem Bild von mir "Zwei Frauen im System" begl├╝ckw├╝nscht. Er sagte, er wisse ja, dass ich mich bildnerisch ausdr├╝cken k├Ânne und mich bereits frei gemacht h├Ątte von dem hier gelernten.

Ich war sprachlos und bewunderte dann sein ca. 150 x 200 cm gro├čes Bild "Der barmherzige Samariter", das fast fertig auf der Staffelei stand. Sehr beeindruckend. Noch bevor mein Malunterricht bei ihm begann, kam er unerwartet auf meine Herkunft m├╝tterlicherseits aus D├Ąnemark zu sprechen.

Ich erz├Ąhlte ihm, dass ich meine d├Ąnische Kusine, Margrethe Jepsen, immer beneidet h├Ątte, weil sie kein schlechtes Gewissen zu haben brauchte wie ich als Deutsche, wenn auch als Nachgeborene. Die D├Ąnen haben ihre j├╝dischen Mitb├╝rger nicht verfolgt und umgebracht. ...

Maria Reese

Aus: In Bildern dr├╝ckt sich meine Trauer aus, 2000, S. 18.

Die "Dreiecksmadonna" hat Maria Reese f├╝r das M├╝ttergenesungswerk gemalt. In dem Bild entdeckt die Vorsitzende des M├╝ttergenesungswerkes in Schleswig-Holstein, Rut Rohrandt, folgendes:

"Eine Frau ist eingebunden in ein Schema, hier ein Dreieck, ist festgef├╝gt in eine Ordnung, die begrenzt und nur wenig Spielraum l├Ą├čt. Die Familie - angedeutet durch die ├Ąltere Generation und das Kind - ist bestimmend in ihrer Welt. Sie steht vor dem Hintergrund einer bewegten Welt mit H├Âhen und Tiefen, ein bi├čchen Sterntalermentalit├Ąt und dem Geb├Ąude einer Kirche - mit hohen, un├╝berwindlichen Mauern und wenig Fenstern. In dem Dreieck - der Welt der Frau - f├Ąllt einmal die Vielfalt der Farben und Formen auf. Und die unterschiedliche M├Âglichkeit zu sehen auf ein gro├čes, in die Welt sehendes Auge. Und dann die verbundenen Augen oder vielleicht ist es auch nur eine Brille, durch die immer eine besondere, vielleicht auch beschr├Ąnkte Sicht von Welt m├Âglich ist. Gro├če H├Ąnde und F├╝├če, die vieles fassen k├Ânnen und an allen Stellen zugleich sind."

Aus: Nordelbische Kirchenzeitung 1984; abgedruckt in: Maria Reese, In Bildern dr├╝ckt sich meine Trauer aus, 2000, S. 180; dort auch weitere Frauenbilder auf den Seiten 176 f und 181 f.

Vgl. zum Thema auch das Buch: Dietlinde Hedwig Heckt/ Maria Reese: ÔÇŽ und ich eine l├Ąchelnde Frau. Texte und Bilder, Kiel: Neuer Malik-Verlag 1987.

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