őÉ4o╦ Das Atelierhaus
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Atelierhaus in Gro├č Wittensee
Engel ├╝ber den Wassern des Wittensees
Seelenf├Ąnger

Wo Carl Lambertz' Seele wohnt

Der rote Kater, der durch das lichtdurchflutete Atelier streift, hat ihn noch gekannt: Carl Lambertz, den "Zauberer vom Wittensee". Vor 14 Jahren, am 27. Februar, ist er gestorben. Am 29. M├Ąrz w├Ąre der Maler 100 Jahre alt geworden.

Die hohen, hellen R├Ąume des Hauses mit Blick auf den See atmen noch seinen Geist. Die Wetterfahne im Garten ist eines seiner Objekte. Und auch die Windfahne auf dem Dach des Anbaus stammt von Carl Lambertz. Knarzend dreht sie sich im Fr├╝hlingswind. Das Klappern und Knarren ist unter dem Glasdach deutlich zu h├Âren. Hier hat Maria Kindler-Lambertz-Reese mit ihren G├Ąsten Platz genommen.

Sonnensegel verwehren von Innen den Blick auf die Windfahne. Doch in den gro├čen R├Ąumen herrscht kein Mangel an Lambertz-Bildern. Daf├╝r sorgt auch Maria Kindler-Lambertz-Reese. "Das Atelierhaus war sein Lebenstraum", erinnert sie sich. 1949 baute der geb├╝rtige D├╝sseldorfer das wei├če Haus am Wittensee. Sein Atelier in D├╝sseldorf war ausgebombt; sein Dienst bei der Marine hatte ihn in den Norden verschlagen. "In meiner Einsamkeit am Wittensee male ich Bilder und sehe Dinge, die ich am Niederrhein nicht gemalt und gesehen h├Ątte", erkl├Ąrte er. Und in seinen "Autobiographischen Skizzen" schreibt er noch vor dem Krieg: "In mir schwoll eine gro├če Sehnsucht, hohe, helle, lichte Landschaften zu malen und darin wegzulaufen."

Am Wittensee hat der Maler 34 Jahre lang bis zu seinem Lebensende gemeinsam mit Maria Kindler-Lambertz-Reese gelebt und gearbeitet. Sie war 32 Jahre j├╝nger als er. Die geb├╝rtige Eckernf├Ârderin hat an der Muthesius-Kunsthochschule studiert, ist ebenfalls K├╝nstlerin. "Es gab kein Bild, das er nicht mit mir diskutierte", erinnert sie sich. Und f├╝gt hinzu: "Es war nie langweilig." 

"Sich mit kulturellen Dingen auseinander zu setzen, h├Ąlt frisch", erkl├Ąrt sie. Von sich selbst sagt sie: "Es w├Ąre furchtbar, wenn ich nicht mehr malen k├Ânnte." Die zweite Frau des K├╝nstlers lebt zwar nicht mehr ausschlie├člich in Schleswig-Holstein, hat aber in dem wei├čen Haus noch immer einen Arbeitsplatz - direkt vor einem riesigen Wandteppich, der das "Mechanische Sextett" von Lambertz zeigt. Seine Werke sind eher kleine bis mittlere Formate, jedoch meist mit einer F├╝lle von Details. Auf das Riesen-Format brachte die Kieler K├╝nstlerin Ute Gayk das Bild, das nun den Raum mit dem Oberlicht dominiert. Fast direkt daneben h├Ąngt ein Werk, das Lambertz zeigt. Es stammt von Maria Reese. Zurzeit arbeitet sie an Bildern, zu denen sie durch das Fehlen einiger Gem├Ąlde angeregt wurde. Diese sind jetzt in Eckernf├Ârde zu sehen, wo im Museum in zwei R├Ąumen eine kleine, aber feine Schau an den "Zauberer vom Wittensee" erinnert.

Wenige Meter neben dem Portr├Ąt des Malers steht im Wittenseer Atelier eines der wenigen gro├čen Werke von Carl Lambertz. Kurz nach dem Krieg malte er es, dunkle Farben und eine d├╝stere Szenerie k├╝nden von der Zerst├Ârung. Sp├Ąter wurden seine Bilder heller, farbiger. Doch er blieb ein Seher und Warner, kommentierte das Weltgeschehen mit seinen Werken, die Titel tragen wie "Weltenzirkus", "In der Vorh├Âlle", "Ikarus, oder die Angst vor der Angst". Wieder andere zeigen Engel und Geister. 

Das Seelenleben war f├╝r den K├╝nstler wichtig. "Kunst ist Nahrung f├╝r die Seele", erkl├Ąrte er den Gruppen, die zur Atelier-Besichtigung kamen, erz├Ąhlt Maria Kindler-Lambertz-Reese. Sie l├Ąchelt bei der Erinnerung und f├Ąhrt fort: "Wenn die Seele gesund ist, dann geht es - meist - auch dem K├Ârper gut." Aber irgendwann muss der K├Ârper gehen. Doch der "Seelenf├Ąnger", der auf dem wei├čen Klavier von Carl Lambertz steht, scheint zu wirken. Die Seele des K├╝nstlers ist noch heute in dem wei├čen Haus am Wittensee sp├╝rbar. Sein K├Ârper liegt auf dem Friedhof des Ortes begraben.

Sabine Sopha

Artikel in der Eckernf├Ârder Zeitung vom 31. M├Ąrz 2010

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