ő ?˘└ Stilleben
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Mohnbl├╝ten, 1959, ├ľl auf Leinen, ca. 95 x 55 cm
Spieltisch 1976/77, ├ľl, Nessel auf Holz, 120 x 80 cm

Stilleben

Auch in den "Mohnbl├╝ten" (1959) sind Spuren der Messertechnik unverkennbar. Die Bl├╝ten, signalhaft als rote Fl├Ąchen gemalt, sitzen auf einem gerade hochstehenden Stengelbau. Die fl├Ąchig abgegrenzten Farbschichten des Hinter- und Untergrundes verleihen diesen prismenartigen Charakter.

Weitere Stilleben und fig├╝rliche Arbeiten, zumeist ├ľlbilder, reduziert, karg, entstehen bis 1966. Sie sind ein H├Âhepunkt im Schaffen des K├╝nstlers, Bilder von seltenem Wohlklang der Farbabstufung. Hier wirkt Carl Lambertz "mit seiner kultivierten Farbigkeit und wohlabgewogenen Komposition ... wie ein gl├╝cklicher Nachfahre der Nabis" (Heinz Demisch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 30.9.1965 anl├Ą├člich einer Ausstellung im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden).

Mit dem Messer gemalt ist auch das ├ľlbild "Betrunkenes M├Ądchen". Eine alte, gebrauchte Leinwand, deren Farbe durch das wiederholte Ab- und Auftragen erhalten blieb, gibt dem Bild den einheitlichen Grundton.

├ähnlich wie in der "Gasse in Antwerpen" ist Carl Lambertz auch hier von der Farbe angeregt worden. Auf einer Fahrt nach Hamburg, so berichtet der K├╝nstler, habe er einen blauen Farbfleck dicht am Wege leuchten sehen. Dieser entpuppte sich als blauer Wasserkessel, der auf einem M├╝llhaufen lag. Einzig die Farbe spielte hier - zun├Ąchst - eine Rolle, und dann erst bei der Komposition des Bildes wird der alte Kessel auch in seiner geschwungenen Form wichtiges Element.

Hier verbindet sich Stilleben mit fig├╝rlichen Darstellungen, "diese werden dann durch ihre statuarische Anordnung selbst zum Stilleben".

Das gilt auch noch f├╝r die neuesten Bilder. Ein M├Ądchenkopf ("Maria") mit langen dunklen Haaren unter der H├Ąngelampe, im Fensterausschnitt Strand und anbrandendes Meer. Figur, Lampe, Meer, auch der Stuhl sind von zeichenhafter Gelassenheit, in die Fl├Ąche eingebunden. Eine Bildtafel von stiller Einheit.

Die Stilleben des Jahres 1965 erreichen erhabene feierliche Gr├Â├če: z. B. das "Stilleben mit Pfauenfeder" und das "Stillleben mit Iris".

Als geb├╝rtiger Rheinl├Ąnder hat Carl Lambertz franz├Âsisches Formgef├╝hl. Romanische Clairt├ę spricht aus diesen Werken. Hier ... "wohl in verschiedenen Bildebenen verklammert, doch ganz in der Bildfl├Ąche ausgebreitet und von sehr diffiziler und transparenter Farbigkeit durchleuchtet, sind Matisse und die ├ëcole de Paris sp├╝rbar" (Irmgard Schlepps, Einf├╝hrung zu einer Ausstellung im Kieler Schlo├č 1971).

Der konsequent eingehaltene Fl├Ąchenstil und die Neigung zur ornamentalen Gestaltung k├╝nden die kommende Stilwandlung an. "Das Stilleben geh├Ârt zu meinen bevorzugten Themen, und seine Darstellung kehrt, trotz mancher Wandlung, immer wieder. Stilleben ab 1969 stellen oft Gegenst├Ąnde und Dinge dar, die es scheinbar in der Natur so nicht gibt, die aber aus subjektivem Empfinden und Erfinden entstehen und zu einer neuen Wirklichkeit mit eigenen Gesetzen werden. Mit der Vorstellung des Stillebens ist es mir m├Âglich, bei Vermeidung der Perspektive, ein Zusammenspiel von Fl├Ąchen, Farben und Formen zu erreichen."

Ein treffendes Beispiel f├╝r ein Stilleben dieser Art ist der "Spieltisch", elf Jahre sp├Ąter entstanden. Stilleben, "nature morte", die tote Natur, die arrangierte, hingestellte - hier mit all den "Spiel"-Dingen der Werke der letzten Jahre: Geometrische Formen, Quadrat, Kreis, Birnenform, Ball, Tastatur, ein mechanischer Kopf, aber auch Zeitung, Faltentuch - alles auf alter Rundtischplatte mit Schn├Ârkelbein f├╝r den Beschauer eindimensional in die Bildebene geklappt. Stilleben nennt Carl Lambertz - bis heute - eine ganze Bildergruppe, Stilleben mit Flattertuch, mit Ballon, mit Helikopter, mit Mechanik.

Stilleben jedoch, am Vorbild der alten Meister orientiert, trifft nicht mehr f├╝r dieses und f├╝r die nach 1969 zu. Galt es bis dahin, die Fl├Ąche zur├╝ckzugewinnen und streng zu ordnen, sind diese folgenden einer ganz anderen Bilderwelt verhaftet, der des Spiels, des Traumes, der Phantasie, verhaftet einer "neuen Wirklichkeit mit eigenen Gesetzen". Ihre Bewegung ist eine hintergr├╝ndige. Der K├╝nstler benutzt hier eine andere Technik, die vorwiegend aus Lasurfarben entwickelt ist.

Der "Tisch des Zauberers", ein Siebdruck von 1970, er├Âffnet die Reihe der renitenten Stilleben und ihrer nach innen verlagerten Dynamik, einer gerade noch festgehaltenen Expansion magischer Kr├Ąfte.

Und "Das Pr├Ąsidium" von 1971 zeigt dazu jene Verbindung - im Stilleben - von surrealen Gegenst├Ąnden und Figuren, in statuarischer Anordnung, die dann im Gesamtwerk des K├╝nstlers als seine "neue Wirklichkeit mit eigenen Gesetzen" immer wieder anzutreffen ist.

Aus: Karl-Heinz Hoyer, Carl Lambertz, S. 54, 57, 62, 64; dort auch die hier nicht wiedergegebenen Bilder.

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