čl4ďň Mechanisches
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Mechanisierter Pan, 1977/78, √Ėl auf Holz, 97 x 74,5 cm
Mann im Kasten, 1979, √Ėl, Leinen auf Holz, 80 x 60 cm

Mechanisches

Nach den mechanischen Schaubudenfiguren, der Reminiszenz aus seiner Fr√ľhzeit, sind es nun die Spielautomaten, die "spielerischen Automaten", die verst√§rkt in seinem Werk auftauchen - und aus den ornamentalen K√∂pfen mechanische K√∂pfe machen. "Morgens um Viertel vor Sieben vor meinem Fenster" sind es Soldatenk√∂pfe, Ungeheuer, die vor√ľbermarschieren, mechanisierte Menschen. Die Augen sind als F√ľhler ausgebildet. Dr√§hte strahlen: die "Apparatschiks" defilieren. Alle K√∂pfe vor der Mauer sind gleich geformt und violett - ein tragischer Farbklang, eine unheilk√ľndende Farbgebung. Im gr√ľnen Himmel Gaswolke und Flugk√∂rper. Eine erschreckende Vision, geboren aus dem Zustand des Halbwachseins. 

"Nun stehen sie alle da", sagt Carl Lambertz zu dieser Tafel, die er "Abendlandschaft mit Skulpturen" nennt, einem Bild in √Ėlfarbe. Das Brett, auf dem er es - nach l√§ngerer Pause - malte, fand Carl Lambertz im Keller der Kunsthalle Kiel; die Maserung inspirierte ihn. 

Er konzipierte auf dieser Platte einige Bilder. Sie entsprachen lange nicht seiner inneren Idee. Er schabte sie ab, versuchte es wieder. Dann nahmen seine fr√ľheren Tr√§ume allm√§hlich Gestalt an: archaische Grabbeigaben, Kleinplastiken, Rudimente, Scheiben, alle stehen in einer weiten Landschaft wie Treibgut. Ein Treibgut, wie es der bretonische Surrealist und Geschichtenerz√§hler Yves Tanguy an einem mystischen Strand sah und zu Bildern werden lie√ü.

Hier nun entsteht eine R√§umlichkeit ohne Ende. Die Maserung des Holzes ist der Himmel. Eine Figur hat Fl√ľgel, ein mechanischer Arm signalisiert. Der mechanisierte Kopf (Transmissionskopf) rechts k√ľndet die folgenden Tafeln an, besonders "Doppelkopf", "Das Gro√üe Spiel", "Kopf mit Flattertuch", wie auch das fr√ľhere Bild "Majest√§tisch", das die kalte, kalkulierte Welt der Roboter vorwegnimmt.

"Realisierung weiter Ahnungen" ist Carl Lambertz' Auftrag, und er regiert Spiel und Konstruktion, Intuition, Anfang und Ende. Morbidit√§t steckt in dieser Imagination. Entartung symbolisiert auch die Figur mit den aufgeblasenen Gliedern im Mittelgrund. Einige sparsam eingesetzte Farblichter f√ľngieren als Spannungspole und Drehmomente.

Im "Mechanisierten Pan" wird ein Hirtengott zum Automaten, im "Mann hinter dem Zaun" der gesichtslose Maschinenmensch zur Schreckensvision.

Roboter werden in Antilandschaften geboren, sitzen in K√§sten, von Transmissionen geleitet. Oder weibliche Halbfiguren werden umgeformt und erinnern an Sexualmechanismen; anthropomorphe Kreaturen, K√∂pfe, diese Endzeitwesen stehen vor indifferenten, kaum strukturierten, aber immer altmeisterlich lasierten Hintergrundfl√§chen und geben in scharfen Konturen das Bild einer gr√ľndlich zerst√∂rten Menschenwelt - r√ľcksichtslos, kontaktlos.

Aus: Karl-Heinz Hoyer, Carl Lambertz, S. 115, 117, 152; dort auch die hier nicht wiedergegebenen Bilder.

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