ő¤20═ Kino und Kirche
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Kirchgang an einem Regentag, 1928, Aquarell, 63 x 45,5 cm

Technischer Zeichner und Kirchenmaler

Der Zeichenlehrer hatte Carls k├╝nstlerische Begabung erkannt und seiner Mutter und Gro├čmutter geraten, den Jungen technischer Zeichner oder Drucker werden zu lassen. So fing er nach der Schulzeit bei der Firma Ph├Ânix, einem R├Âhrenwerk, als technischer Zeichner an. Die Ausbildung endete mit dem "k├Âlschen Johr". Ein "k├Âlsches Johr" sind vierzehn Tage Arbeit, Lohn, Entlassung.

Mit diesem ersten Gehalt kaufte Carl Naturalien f├╝r die Familie. Niemand nahm den Vorfall tragisch. "Da hast du ja ein 'k├Âlsches Johr' gemacht", sagte seine Mutter und lachte. Eine neue Lehrstelle als Kirchenmaler wurde gefunden, und diese Arbeit machte Carl mehr Spa├č. Hier erlernte er noch die traditionellen alten Handwerkstechniken, die ihm sp├Ąter als freischaffendem K├╝nstler sehr n├╝tzlich werden sollten.

"Mit dem k├Âlschen Johr ging mein technischer Beruf zu Ende. Nun sollte ich Dekorationsmaler werden. Durch Zufall kam ich an eine Firma, die auch Kirchenmalerei betrieb. Aber auch Kinos wurden damals in expressiv-dekorativem Stil mit k├╝nstlerischem Anspruch ausgemalt. Da mu├čten Pflanzenornamente gemalt werden, Paneele, Verzierungen jeder Art. Leider war ich so t├╝chtig, da├č ich einfach nicht zur Ausbildung ins Atelier kam, sondern gleich in die Praxis und dort auch blieb. Und doch lernte ich auch ohne Atelier eine Menge; schlie├člich avancierte ich vom Gehilfen zum Gesellen nach dreieinhalbj├Ąhriger Lehrzeit bei der Firma Dortmann & Fitz. Aber ich wollte unbedingt Maler werden, richtiger Bildermaler, und begann Niederrheinstudien zu machen, nachdem ich ziemlich schnell einen Van-Gogh-Expressionismus ├╝berwunden hatte. Ich benutzte auch gro├če Leinw├Ąnde f├╝r strenge Kompositionen.

Zur Wandmalerei, zu ihrer Monumentalit├Ąt, ihrem Anspruch, den Gesetzen der Wand untertan zu sein, hatte ich schon immer eine Neigung gehabt. Der Leiter der Akademie, Professor Fahrenkamp, sagte sp├Ąter immer wieder: 'Sie m├╝ssen unbedingt an die Wand, Sie m├╝ssen an die Wand!' Fahrenkamp kaufte auch sehr fr├╝h Bilder von mir. Die Strenge gefiel ihm, und die fig├╝rlichen Kompositionen waren 'wandm├Ą├čig' trotz Plastizit├Ąt und R├Ąumlichkeit.

Jedenfalls lernte ich das Handwerkliche gut. Nur hatte diese Zeit zu lange gedauert. Ich war zu ├Ąngstlich, um zur Akademie zu gehen, weil ich nicht wu├čte, ob das, was ich konnte, ausreichen w├╝rde. Ich hatte ja keinen F├Ârderer. Die handwerkliche Beherrschung des Metiers war aber eine Voraussetzung f├╝r die Akademie. Und da diese bei den Akademiej├╝ngern oft nicht gegeben war, konnte ich sp├Ąter daraus Nutzen ziehen, dachte ich.

Zun├Ąchst mietete ich aber ein Atelier und arbeitete f├╝r mich. Dort sind die kleinen Landschaften entstanden, die ich gerettet habe. Einige Freundschaften gaben mir Halt und Mut, allein weiterzumachen. Man bedenke: Es war eine ganz furchtbare Zeit, nur wenige kauften Bilder, es gab gro├če Not, die Arbeitslosigkeit war verheerend und die Wirtschaftskrise von unvorstellbarem Ausma├č. Ich ging stempeln und meinte, die Zeit kannst du nutzen zum Malen und zur Ausbildung. Daneben nahm ich alle Arbeiten an, die ich bekommen konnte, setzte Glasscheiben in Fenster ein, schrieb Schilder und war Anstreicher und Tapezierer. Von dem Verdienst kaufte ich Farben und konnte recht und schlecht leben. Eine gro├če Hilfe war f├╝r mich der D├╝sseldorfer Kunstverein, der meine liebsten Bilder ausstellte und verkaufte."

Aus: Karl-Heinz Hoyer, Carl Lambertz, S. 16, 18.

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