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Carl Lambertz, Engel begr├╝├čt eine Seele, 1990, Gouache, 35,5 x 37,5 cm

Engel und Geister

Engel wurden zum bestimmenden Thema der letzten Jahre. Zwar finden sich schon in den Siebzigern "Musizierende Engel" und gefl├╝gelte Phantasiefiguren. Aber erst mit dem gro├čen ├ľlbild "Engel und Geister ├╝ber dem Wittensee" von 1990 nahmen Engel und Geister - so auch der Titel eines pr├Ąchtigen Bildbandes - das Atelier endg├╝ltig als B├╝hne in Besitz.

Die wenigsten treten als die bekannten Fl├╝gelmenschen-Schablonen auf. Engel sind in ewigem Wandel begriffen. Der Engel ist die Metamorphose. Und so ist es bezeichnend, da├č das gro├če Bild nach und nach mehrmals ├╝bermalt und verwandelt die jetzige Gestalt gewann. Carl Lambertz' Bilder sind ein ├╝berzeugender Beleg f├╝r die Einsicht, da├č wir wahrscheinlich die beste Vorstellung von einem Engel bekommen, wenn wir uns ├╝berhaupt kein Bild von ihm machen.

Mit den Engeln im Bunde sind die Geister. Carl Lambertz, der Zauberer und Magier, ruft am liebsten Schutzengel und gute Geister. Diese hat unsere Welt so bitter n├Âtig. Von ihnen sollen sich Betrachter seiner Bilder ber├╝hren lassen, bereit zur eigenen Verwandlung.

Doch eine essentielle Frage f├╝r den K├╝nstler bleibt: Wer ist Engel, wer ist Teufel? Carl Lambertz wei├č um die ambivalente Ordnung des Sch├Âpfungsplans. Licht und Schatten, Wei├č und Schwarz, Gut und B├Âse, H├Ą├člich und Sch├Ân, Liebe und Ha├č: eine unaufl├Âsliche Einheit, Allianz der gottgewollten Harmonie, Yin und Yang, siamesische Zwillinge der kosmischen Balance in unerforschbarem Wandel.

So finden sich in seinem Werk ganz selbstverst├Ąndlich auch religi├Âse und keine starr-konfessionellen Themen. Zwar tritt er in hohem Alter aus der katholischen Kirche aus und in die evangelische ein, doch pr├Ągen sein Werk und pers├Ânliches Leben auch unzweifelhaft Elemente des Buddhismus, die Besch├Ąftigung mit uralten Mythen, Interesse am pluralistischen Zeitgeist und eine unerm├╝dbare kindlich-wache Neugier an nahezu allem einschlie├člich der Zukunft.

Gynter M├Âdder

Aus: Die Zeit stand still und verwandelte den Blick, S. 24 ff. Vgl. dazu auch: Engel und Geister. Vorgestellt in Bildern von Carl Lambertz mit Texten von Gynter M├Âdder, Neum├╝nster: Wachholtz 1991.

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